»Was war ich glücklich! So restlos gut ist es mir, soweit ich mich erinnere, seit der Zeit nicht mehr gegangen, als ich für den Unterricht noch zu klein war und mit meinem Elf-Uhr-Zuckerbrot auf einen mit Löwenzahn und Gänseblümchen übersäten Rasen hinausgeschickt wurde. Der Zucker auf dem Butterbrot hat seinen Reiz verloren, aber Löwenzahn und Gänseblümchen liebe ich heute noch leidenschaftlicher als damals, und nie würde ich ertragen, sie alle abgemäht zu sehen, wenn ich nicht sicher wüsste, dass sie ihre kleinen Gesichter in ein oder zwei Tagen so heiter wie eh und je wieder emporreckten. In jenen sechs Wochen lebte ich in einer Welt, die nur aus Löwenzahn und Lebenslust bestand. Der Löwenzahn besetzte die drei Rasenflächen […], und unter wie zwischen den laublosen Eichen- und Buchengruppen wuchsen blaue Leberblümchen, weiße Buschwindröschen, Veilchen und Scharbockskraut in rauen Mengen. […] Als dann die Buschwindröschen gingen, kamen ein paar vereinzelte Immergrün und Weißwurzen, und sämtliche Traubenkirschen explodierten förmlich. Und bevor ich mich ein wenig an die Pracht ihrer Blüten vor dem Himmel gewöhnt hatte, kam der Flieder in Massen und Abermassen […]. Als diese Zeit kam und als vor ihrem Ende auch noch die Akazien aufblühten und dazu vier große Gruppen heller Pfingstrosen in silbrigem Rosa unter den Südfenstern, da war ich so vollkommen glücklich und selig und dankbar, dass ich es überhaupt nicht beschreiben kann. Meine Tage schmolzen wie ein Traum von rosa und violettem Frieden dahin.«

Elizabeth von Arnim, »Elizabeth und ihr deutscher Garten«