»Meine Großmutter hatte immer stolz behauptet, dass kein Hochwasser unser Haus erreichte, doch in jenem Frühling drang das Wasser über die Schwelle und stand zehn Zentimeter hoch auf dem Boden, so dass wir zum Kochen und Abwaschen Stiefel tragen mussten. Wir wohnten einige Tage im oberen Stockwerk. Sylvie legte auf dem Toilettentisch Patiencen, und Lucille und ich spielten auf dem Bett Monopoly. [… Sylvie] hatte bereits Samen bestellt, damit sie im Frühling Blumenbeete ums Haus anlegen konnte, und sie hatte in der Küche einen neuen gelben Vorhang angebracht. In jenen Tagen suchte sie fortwährend nach Möglichkeiten, unser Leben an die Erwartungen der anderen anzupassen – oder was sie für deren Erwartungen hielt –, und sie war voller Zielstrebigkeit, die manchmal wie Hoffnung schien.«

Marilynne Robinson, »Haus ohne Halt«